Weltfrauentag – Wie Brüste auf T-Shirts zu mehr Gleichberechtigung führen können

Nun ist es also mal wieder so weit: Frauen* bekommen eine Woche im Jahr so viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass einigen männlichen* Zeitgenossen ganz bange wird. Während wir uns also irgendwo zwischen ehrlicher Anerkennung weiblicher* Leistungen und prestigeträchtigem ‚Fem-Washing‘ diverser Unternehmen und Brands wiederfinden, melden sich in diversen Internetforen, auf Social Media und den (virtuellen) Stammtischen dieser Welt Männer* (und – unglaublich, aber wahr – auch vereinzelt Frauen*) zu Wort, die es eine Unverschämtheit finden, dass es einen Internationalen Frauentag gibt, aber kein Pendant dazu für das ‚starke Geschlecht‘.

Obwohl mittlerweile die meisten Menschen begriffen haben dürften, dass in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen mangels tatsächlich gelebter Gleichberechtigung jeder Tag ‚Männertag‘ ist, möchte ich an dieser Stelle festhalten: so lange es eine Gender Pay Gap von durchschnittlich über 20% gibt – so wird der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern bei gleichem Dienstausmaß bezeichnet – und dementsprechend der Equal Pay Day stattfinden muss, sollte auch dem Internationalen Frauentag eine besondere Gewichtung zukommen. Rund 52 Kalendertage im Jahr arbeiten Frauen* demnach im Vergleich zu männlichen Kollegen gratis. Oder anders ausgedrückt: jedes 7. Jahr!

Dass nicht-erwerbstätige Hausarbeit, das Gros der Kindeserziehung und die unbezahlte Pflege von kranken Angehörigen nach wie vor fest in weiblicher Hand liegen, ist hier noch nicht mal einberechnet. Im Jahr 2021 wirken Gesellschaften aufgeklärter als je zuvor, folgen in ihren Grundpfeilern aber längst überholt geglaubten Rollenbildern. Dieses Problem ist ein strukturelles – viele Veränderungen sind in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen, ganz sicher aber noch nicht in den Regierungen dieser Welt. Großteils bestehend aus weißen Männern. Ob es sich hier um faire Löhne dreht und die damit verbundene Entscheidung, wer in Karenz geht oder um Menschenrechte, die in anderen Ländern dieser Welt mit Füßen getreten werden, was besonders Frauen* benachteiligt. Von weiblicher Genitalverstümmelung über Zwangsprostitution bis hin zu gewöhnlichen Tätigkeiten, wie Autofahren, oder rechtlichen Ansuchen, wie das Einreichen der Scheidung – Gewaltopfer sind überdimensional häufig weiblich* und viel zu viele Grundfreiheiten sind Frauen* rund um den Globus verwehrt.

Ja, es braucht Feminismus. Nein, das bedeutet nicht, Männer* zu hassen. Viel eher wissen aufgeklärte Männer darum Bescheid, dass alle Geschlechter von Feminismus (und Queer Theories) profitieren und durch mutige Vordenker_innen eine bessere Gesellschaft entstehen kann. Toxic Masculinity – das folgenreiche Stereotypisieren dessen, wie ein ‚echter Mann‘ zu sein habe – steht dieses Jahr erstmals im Fokus einer breiten Masse. Dieses Konzept beschreibt sehr genau, warum es fatal ist, weiterhin an archaischer Männlichkeit festzuhalten. Männer* dürfen Gefühle offenbaren, müssen nicht die toughen Ernährer sein und handwerklich wie technisch versiert. Genauso, wie Frauen* nicht in eine Welt aus rosa Puderquasten, Kinderwägen und ‚Zickenkrieg‘ verbannt werden dürfen.

Ja, dieses Wort wird tatsächlich von Boulevardmedien so inflationär verwendet, als hätten wir noch 2001. Besonders in Bezug auf ‚Reality-TV‘ á la Germany’s Next Topmodel und Der Bachelor. Zu diesem Thema könnte ich aber gesondert hunderte Zeilen schreiben, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehen werde. Dasselbe gilt für Stichwörter, wie: Body Positivity & Body Neutrality vs. Diätwahn und omnipräsente Schlankheitsverherrlichung, Gender Marketing und die Rosa-Hellblau-Falle im Kinderzimmer oder Selbstbestimmtheit bezüglich Familienplanung, Partner_innenwahl, Schwangerschaft und deren Abbruch sowie die Sichtbarkeit von Transidentitäten. Viele starke Begriffe, hinter denen viel Leid steht. Einzigartige Geschichten von Menschen, die sich doch darin ähneln, dass in unserer Welt leider immer noch vieles auf der Herrschaft eines Geschlechts über die anderen basiert.

Eingangs habe ich das Wort ‚Fem-Washing‘ verwendet. Dieser Terminus bezeichnet die Kapitalisierung von Frauenrechten und Gender Equality durch Marketingbemühungen von Firmen. Natürlich kann man mit hübschen Designs und lustigen Illustrationen viel Geld verdienen und ein kaputtes System wird durch einen poppigen Anstrich nicht repariert. Dennoch bin ich der Meinung, Sichtbarkeit verankert sich unbewusst in unseren Köpfen, sodass auch dieses ambivalente Thema ein Mittel zum Zweck sein könnte. Eine Auswahl an Produkten mit Augenzwinkern und moderne Literatur kluger Jungfeminist_innen könnt ihr in der folgenden Collage finden. Und nun: Happy International Women’s Day! Es ist schon viel Gutes geschehen und vieles ist noch notwendig. Lasst uns alle einen positiven Beitrag dazu leisten.

Anmerkung: Die Sternchen hinter dem Geschlecht sollen im heutigen Beitrag besonders auf das (non-)binäre System der Zweigeschlechtlichkeit hinweisen. Nicht jede Frau* menstruiert, und nicht jede menstruierende Person definiert sich als Frau. (So gesehen bei den wunderbaren Ladys von The Female Company!)

1.) Pussy Pairs Memory
2.) T-Shirt by The Female Company
3.) Buch von Margarete Stokowski „Untenrum Frei“
4.) Buch „Good Night Stories For Rebel Girls“, Elena Favilli & Francesca Cavallo
5.) Buch „Die Periode ist politisch“ von Franka Frei
6.) Pullover von The Spark Company
7.) T-Shirt von Wildfang
8.) Buch „Women Don’t Owe You Pretty“, Florence Given
9.) Jutebeutel von Monki
10.) Buch „Alte Weiße Männer“ von Sophie Passmann
11.) T-Shirt „Boys should be whatever they want“ von Riccardo Simonetti
12.) Buch „Raffi und sein pinkes Tutu“, Riccardo Simonetti
13.) Vulvalette von The Female Company
14.) Blumentopf von Monki
15.) Deine persönliche Vulva-Statue made in Austria von Vulva Casting 

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