Reisen in Zeiten des Daheimbleibens

Eigentlich wollte ich in dieser Woche auf Skiurlaub fahren, die Bergsonne genießen, mit der Wintersaison abschließen und mich auf die warme Jahreszeit freuen. Tja, Dinge ändern sich und aktuell heißt es: daheimbleiben. Nicht nur für mich, sondern für alle. Aber: Man kann dennoch seiner Reiselust und Reisesehnsucht nachgehen. Egal ob ihr ein Abenteuer sucht, euch kulturell weiterbilden oder unbekannte Länder erkunden wollt. Geht auf Reisen ohne dafür einen Koffer packen zu müssen.

Seid ihr reif für die Insel?

Dann ist Hotel Honolulu von Paul Theroux genau richtig. Diese „Fernreise“ spielt auf Hawaii, in einem Hotel mit 80 Zimmern, das sicher schon bessere Zeiten durchlebte. Der Schriftsteller Paul Theroux erzählt in diesem Roman von einem Autor in der Schreibkrise, der unverhofft zu einem Job als Hotelmanager kommt. Skurrile Hotelgäste treffen auf eigenartige Mitarbeiter, es entstehen 80 Kapitel mit komischen Begegnungen und Situationen, wie sie sonst kaum zu finden sind. Also, Hawaiihemd anziehen und loslesen!

Kunst- und Kulturausflug

Die meisten Künstler malen Plätze oder schreiben über solche, die ihnen besonders gefallen und so werden wir sehr häufig von Kunstwerken inspiriert, irgendwo hin zu fahren … Und oft wissen wir Dinge gar nicht zu schätzen bis ein Künstler uns die Augen öffnet, uns eine ästhetische Möglichkeit zeigt.

Dieser Kommentar von Alain de Botton, Autor von Kunst des Reisens, verrät eigentlich schon sehr viel über sein Werk. In insgesamt 9 Kapiteln schreibt der Autor über seine eigenen Reiseerfahrungen und verknüpft diese mit historischen Anekdoten von Vincent van Gogh, William Wordsworth, Alexander von Humboldt, Gustave Flaubert und einigen weiteren Künstlern und Philosophen. Lasst euch erklären, warum sich Menschen auf Reisen begeben und warum auch Glück eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielt.

Auf in Paralleluniversen

Klingt nach einer langen Reise… OK, wie bei allen Romanen des deutschen Schriftstellers Frank Schätzing braucht man 100-150 Seiten, bis die Geschichte so richtig in Fahrt kommt. ABER: Hossa, dieser Thriller über Künstliche Intelligenz, Paralleluniversen und Robotik ist richtig spannend und man möchte das Buch fast nicht mehr weglegen. Und das, obwohl Die Tyrannei des Schmetterlings mit 728 Seiten einiges an Gewicht hat. Die Geschichte startet in Afrika, spielt in weiterer Folge in den USA und bringt den Leser in viele andere Welten, zu denen die Protagonisten dank der Technik reisen. Auch wenn die Kritiken unterschiedlicher Meinungen sind, so lernt man als nicht KI-technik-affine Person einiges über Drohnen-Technologien, Tracking, Biotech, virtuelle Realitäten u.v.m.

2018, Verlag Kiepenheuer & Wiltsch, ISBN 978-3-462-05084-4

Städtetrip nach Buchhaim

Wer kennt Walter Moers nicht? Comiczeichner, Illustrator, Schriftsteller. Käpt’n Blaubär und Kleines Arschloch sind sicher den meisten von euch bekannt. Aus seiner Romanserie, die auf dem phantastischen Kontinent Zamonien spielt, ist Die Stadt der Träumenden Bücher für mich eines der besten Bücher. Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz macht sich auf die Reise nach Buchhaim, um den unbekannten Dichter eines Meisterwerks zu finden. Die Stadt gleicht einer gigantischen Buchhandlung, mit Düften und Aromen von Druckerschwärze und altem Leder. Buchlinge treiben Schabernack, der mysteriöse Schattenkönig herrscht über sein Reich und rücksichtslose Buchjäger machen dem Dichter das Leben schwer. Schlendert gemeinsam durch die Buchlabyrinthe, lernt Zamonisch und fürchtet euch nicht. Ein Buch für alle, die Literatur lieben und in eine phantastische Welt eintauchen wollen.

2006, Piper Verlag, ISBN 978-3-492-24688-0
2016, Piper Verlag, ISBN 978-3-492-05755-4

Alles, nur keine Pauschalreise

Der Journalist Helge Timmerberg erzählt in seiner Autobiografie Die rote Olivetti über seine Anfänge als Journalist in Deutschland und wie er sein Leben in goldenen und weniger goldenen Zeiten rund um die Welt verbrachte. Offen, ehrlich und sehr persönlich. Ausgerechnet auf dem Himalaja stellt sich einer der bestbezahlten Journalisten seiner Generation die Frage, was aus ihm geworden ist. Für alle, die noch mehr von diesem tollen, wenn auch durchgeknallten Reisejournalisten lesen wollen, empfehle ich ebenso Die Straßen der Lebenden und African Queen. Und nebenbei: Wisst ihr, was die rote Olivetti ist? Google it 😉

„Reisen ist Bungee-Jumping für die Seele“, sagte einmal Helge Timmerberg. Eine andere Version von Bungee-Jumpen kann man mit den richtigen Büchern auch zuhause und dabei wünsche ich euch viel Freude und Spaß.

Noch ein Anliegen zum Schluss: Unterstützt gerade jetzt lokale Buchhändler und bestellt nicht nur online über die großen Buchlieferanten. Viele der „Locals“ versenden eure Buchbestellungen sehr gerne zu euch nachhause!

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