7 Länder, 7 Traditionen

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür – oder so ähnlich?
Wenn die Straßen wieder in ein Lichtermeer getaucht werden, Leute an Punschhütten Glühwein genießen und aus dem Radio die altbekannten Lieder klingen, ist sie wieder da: die Weihnachtszeit. Zumindest würden insbesondere im deutschsprachigen Raum die meisten Menschen die oben genannten Punkte mit Weihnachten assoziieren.

@tempomagazin

Natürlich variieren die Traditionen rund um das größte christliche Fest von Region zu Region – viel mehr aber von Land zu Land. Zeit also, unterschiedliche Bräuche und Abläufe der Weihnachtszeit zu beleuchten. Um sich nicht zu sehr im Detail zu verlieren, haben wir euch die wichtigsten Schlagworte herausgesucht, die Weihnachten im jeweiligen charakterisieren.

1) Buon Natale!

In einem sehr katholischen Land wie Italien kommt Weihnachten natürlich eine dementsprechend hohe Bedeutung zu. Im Grunde genommen gibt es in Italien viele Überschneidungen zum Weihnachtsfest in Österreich. Einige Besonderheiten lohnen sich jedoch gesondert hervorgehoben zu werden.

Krippen

Hierzulande ebenfalls nicht unbekannt und noch immer in vielen Haushalten zu finden, stellt die Krippe in Italien einen essentiellen Bestandteil der Weihnachtsdekoration dar. Mit der Krippe wird die Geburt von Jesus in einer Futterkrippe dargestellt.
Neapolitaner gelten als besonders gute Krippenbauer. In der Via San Gregorio Armeno werden nach wie vor die schönsten handgefertigten Krippen und Figuren verkauft.

Panettone

Dieser traditionelle italienische Weihnachtskuchen ist mittlerweile auch in Österreich fixer Bestandteil jedes Sortiments größerer Supermärkte. Ursprünglich aus Mailand kommend, wird die Spezialität mittlerweile in ganz Italien als Nachspeise nach dem großen Weihnachts-Festmahl gegessen.

Befana

Traditionell bleibt den Italienern die weihnachtliche Stimmung und Dekoration bis zum 06. Jänner erhalten. Am Vorabend, also am 05.01. hängen Kinder Strümpfe an den Kamin oder stellen Schuhe davor. In der Nacht kommt „Befanaa“ durch den Schornstein und befüllt die Strümpfe mit ihren Gaben. Brave Kinder werden mit Süßigkeiten und Geschenken belohnt, böse Kinder bekommen jedoch nur Kohle. Natürlich handelt es sich dabei nicht um echte Kohle sondern „carbone dolce“, also süße Kohle aus Zucker.

2) Sretan Božić!

Das Kroatische Weihnachtsfest bringt einige Besonderheiten mit sich, die vermutlich in Österreich eher unbekannt sind. Einige Traditionen sind auch vergleichbar mit Gepflogenheiten angrenzender Länder.

Tag der heiligen Katharina

Anders als in vielen anderen Ländern wird die Weihnachtszeit in Kroatien bereits früher eingeleitet. Genauer gesagt am 25. November, dem Tag der heiligen Katharina, „Sveta Kata“ auf Kroatisch.

Weizen

Erwachsene säen am 13. Dezember (in manchen Regionen auch bereits am 04. Dezember) in einer runden Schale Weizen, der bis zum 24. Dezember sprießen kann. Umso höher der Weizen wächst, desto erfolgreicher wird das Folgejahr werden.
Am Heiligen Abend wird der Weizen dann mit einer Schleife in den Landesfarben zusammengebunden.

Nikolaus & Lucia & Božić

Hier ein wenig harter Tobak für unsere Kinder: In Kroatien werden Kinder während der Weihnachtszeit ganze dreimal beschenkt!

Am Nikolaustag („Sveti Nikola“) unterscheiden sich die Bräuche kaum von jenen in Österreich. In Kroatien putzen Kinder ihre Schuhe und stellen sie am 05. Dezember an ein Fenster, in der Hoffnung, dass Nikolaus sie mit Schokolage und kleinen Geschenken füllt. Artige Kinder werden mit Süßigkeiten belohnt, während der Krampus für schlimme Kinder Stöcke hinterlässt, damit die Eltern sie bestrafen können.

Traditionell brachte die heilige Lucia am 13. Dezember („Sveti Lucija“) den Kindern in weiten Teilen Kroatiens die Geschenke. Damals bekamen sie aber am 1. Weihnachtsfeiertag keine Geschenke. Heutzutage Kinder auch am 1. Weihnachtsfeiertag beschenkt.

Božić, also Weihnachten, wird in Kroatien am 25. Dezember mit Sarme (Kohlrouladen, gefüllt mit Fleisch und Reis) gefeiert. Je nach Region gibt es beispielsweise auch noch Kulen (Wurst, Slawonien) oder Pršut (Schinken, Dalmatien).

3) Hristos se rodi

In Serbien gehören die meisten Menschen der Orthodoxen Kirche an. Weihnachten wird am 25. Dezember gefeiert – jedoch nicht am 25. Dezember des gregorianischen Kalenders, sondern nach den Regeln der Orthodoxen Kirche nach wie vor am 25. Dezember des julianischen Kalenders – sprich der 07. Jänner.

@slavskikolac

Česnica

Brot zu brechen hat im christlichen Glauben hohe Bedeutung. In Serbien wird für die Weihnachtsfeierlichkeiten ein spezielles Brot – das Česnica – gebacken. Im Brot selbst sind eine Münze und etwas Süßes versteckt (kann variieren). Vor dem Essen bricht jedes Familienmitglied ein Stück vom Brot ab. Jedes der Sachen hat eine bestimmte Bedeutung, die dem Finder eine bestimmte Zukunft verheißt.

 

Eichenäste

Der sogenannte Badnjak ist fixer Bestandteil der serbischen, aber auch kroatischen und montenegrinischen Weihnachtstradition. Es handelt sich um einen Eichenast, der ursprünglich vom Familienvater am Morgen des Weihnachtstags aus dem Wald geholt, mit Wein oder Honig bestrichen wird und an zum Teil großen Feuern vor der Kirche verbrannt wird.

Polažajnik

Während am 06. Jänner gefastet wird (meist mit Fischsuppe und Fisch), beginnt der Weihnachtstag gleich morgens mit einem deftigen Frühstück mit Spanferkel, dem Česnica und einem traditionellen Gast. Der Polažajnik, ein Familienfreund (streng genommen sollte es ein unverheirateter Mann sein) nimmt als einziger Gast am Festmahl teil.

4) Hristos se rodi

Weihnachten in Montenegro ähnelt Weihnachten in Serbien grundsätzlich sehr stark. Auch die Montenegriner gehören zu einem großen Teil der Orthodoxen Kirche an.

5) Veselé Vianoce

Weihnachten in der Slowakei wirkt auf den ersten Blick doch recht ähnlich zum Weihnachtsfest hierzulande. Sieht man etwas genauer hin, gibt es doch ein paar interessante Unterschiede.

Kapustnica

Das klassische Gericht zu Weihnachten. Kapustnica ist eine Krautsuppe mit Pilzen, Wurst und getrockneten Früchten und ist fixer Bestandteil der Weihnachtszeit in der Slowakei.

Badewannenkarpfen

Am Heiligen Abend kommt in den meisten slowakischen Haushalten frittierter Karpfen und Kartoffelsalat auf den Tisch. Diesen Karpfen kann man im Normafall „fangfrisch“ aus riesigen Bottichen direkt an der Straße kaufen. Viele Leute mögen den Fisch aber noch frischer und halten ihn lebend bis zum 24. Dezember in der Badewanne der eigenen vier Wände!

Äpfel & die Zukunft

Ähnlich wie beim Weizen in Kroatien, erfährt man auch hier bereits zu Weihnachten, was das kommende Jahr bringen wird. Jedoch verrät der Anschnitt eines Apfels, ob das Folgejahr von Glück gesegnet sein wird. Ist das Gehäuse symmetrisch und die Körner sternförmig angeordnet, so wird das nächste Jahr ein gutes.

6) Veselé Vánoce

Tschechische Weihnachtstraditionen können zum Teil skurril aber dafür auch umso spannender wirken. Insbesondere Aberglaube und eine Vielzahl an zu beachtenden Regeln reihen sich um das Fest.

Das goldene Schweinchen

Traditionell wird in Tschechien am Weihnachtsabend sehr reichhaltig und viel gegessen. Bis es aber so weit ist, sollte man aber den ganzen Tag fasten, um am Abend das goldene Schweinchen an der Wand zu sehen – ein gutes Zeichen für das kommende Jahr.

Aberglaube

Aberglaube ist ein sehr bedeutender Bestandteil tschechischer Weihnachtstraditionen. Beispielsweise sollten Mädchen an den Feiertagen einen Schuh in Richtung Tür werfen. Dabei steht man rückwärts zur Tür und wirft über die Schulter. Landet der Schuh mit der Spitze in Richtung Tür, wird es eine Heirat im kommenden Jahr geben.
Auch Speisen vermögen magische Kräfte zu haben. Knoblauch ist ebenfalls essentiell zu Weihnachten. Er bietet Kraft und Schutz. Unter den Tisch kann auch eine ganze Schüssel voller Knoblauch gestellt werden.

Sternenlicht

Das Essen an Heilig Abend wird erst beim Leuchten der ersten Sterne am Himmel serviert. Davor sollte auch kein anderes Licht im Haus brennen.

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