Danke Mama!

Systemerhalterin. Eigentlich nur ein Wort, und ein ziemlich technisches obendrein. Trotzdem ein Begriff, der uns allen seit mehreren Wochen in den Ohren hallt. Die Stützen unserer Gesellschaft, ohne die vieles nicht so glatt laufen würde wie normal. Aber normal ist ja derzeit eine anderes Wort, das derzeit allerdings so fern erscheint wie wenig anderes. Denn das „neue normal“ ist gerade erst dabei sich auszuprobieren und wir alle müssen uns dort erst neu orientieren. 

Aber zurück zu unseren Systemerhalterinnen. Ganz am Anfang waren es die Ärztinnen und Ärzte. Die Götter in weiß. Die Helden, die an vorderster Front gegen eine unsichtbare Bedrohung kämpfen. Schnell würde allerdings klar, es braucht vieles mehr um eine Gesellschaft am Laufen zu halten. Nahversorgung, Pflege, Bildung und natürlich die ganze Logistik, die eine Stadt, oder auch ein ganzes Land, weiter funktionieren lässt. Die Stunde der Alltagshelden war gekommen. Sie wurden medial gefeiert und von Balkonen beklatscht. Und nun? Heißt das „neue normal“, dass viele dieser Tätigkeiten in den Familien landen? Und damit meist bei den Frauen, die dieses System ohnehin am Laufen halten? Wird die Doppel- oder Dreifachbelastung das neue normal? Und was hat das alles mit dem Muttertag am kommenden Sonntag zu tun?

Sehr viel, denn große Teile unseres Sozialgefüges werden von Frauen aufrecht erhalten. Oft sind diese Frauen eben auch Mütter. Mütter, die in unangesehenen Berufen für sehr wenig Geld und meist in Teilzeit arbeiten. Manche auf Leidenschaft für die Sache, manche weil sie für die Gesellschaft da sein müssen und viele, weil sie einfach müssen um ihre Familie zu erhalten.

© Carolin Thiersch

Superheldin ohne Cape

So haben uns die letzten Wochen gezeigt, wie einfach eine Regierung, eine Gesellschaft, viele Abläufe unseres täglichen Lebens in die eigenen vier Wände verlagern kann. Bye Kindergarten, hello Home-Schooling. Klingt ja auch viel besser als Hausunterricht. Bye Arbeitsplatz, hello Zoom. Nebenher wird dann noch ein Haushalt organisiert, gespielt, ausgewogen gekocht und die sportlichen Aktivitäten in die Wohnung gelegt. Selbst in meiner Blase, wurden diese Tätigkeiten zu einem großen Teil von Frauen organisiert, durchgeführt und mitgetragen.

Die Mütter, die zu Hause nicht zu Durga wurden, der indischen Göttin mit zehn Armen, mussten ihre Arme weiter ausstrecken. Endlose Schichten im Pflegeheim. Regale schlichten im Akkord,

und unzählige Bereiche mehr, die sich nicht zu Hause einigeln konnten und die Bananenbrotproduktion für einen Kleinstaat übernehmen konnten. In vielen Familien herrscht dazu auch noch Unsicherheit, Angst vor der Zukunft und viele offene Fragen. Fragen, auf die es oft nur unzureichende Antworten gibt: Betreuung, Lohngerechtigkeit, Unterstützung von Alleinerzieherinnen – um nur einige zu nennen.

Standing Ovations, nicht nur am Balkon!

Es ist also Zeit Danke zu sagen. Denn in Zeiten der Corona-Krise zeigen sich zahlreiche Menschen dankbar und wertschätzend gegenüber Arbeitnehmern, die systemrelevante Berufe ausüben. Doch Dankbarkeit und Wertschätzung reichen bei Weitem nicht aus. Vielmehr muss bei den Arbeitsbedingungen und vor allem beim Gehaltsthema noch ein Umdenken stattfinden, damit die Menschen, denen wir derzeit so viel zu verdanken haben, unterstützt werden und eine gerechte Entlohnung erhalten. Das betrifft natürlich nicht nur Mütter und Frauen, aber eben zu einem großen Teil.

Vielleicht hilft diese Krise auch in vielen Fällen auch im kleinen anzufangen. Zusammenzuhalten, zu unterstützen und zuzuhören. Denn diesen Muttertag feiern wir garantiert anders, als die Jahre zuvor. Und vielleicht schaffen wir es auch in der Zukunft uns auf die großartigen Leitungen unserer Mütter zu besinnen. Und an alle Mamas da draußen: bitte klopft euch auch mal selbst fest auf die Schulter. Ihr seid toll, ihr haltet alles am Laufen!

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